Silbervergoldetes Reiseservice aus dem Besitz der Königin Augusta

Zwei Hochzeitsservice. Ein Goldschmied !!
Zwei Silberausstellungen in den Schlössern Babelsberg und Glienicke
Berliner Goldschmiedekunst für den Hof des Prinzen Wilhelm von Preußen
Die Ausstellung in der Potsdamer Sommerresidenz des späteren Kaiserpaares widmet sich dem kostbaren Prunk- und Tafelsilber aus dem Besitz des Prinzen Wilhelm (König/Kaiser Wilhelm I. von Preußen) und der Prinzessin Augusta.
Eine Besonderheit innerhalb des Hoftafelsilbers ist das 1829 "nach englischen Formen" von Johann George Hossauer angefertigte Hochzeitsservice für Prinz Wilhelm (1797-1888) und Augusta, das bis in das frühe 20. Jahrhundert immer wieder Nachbestellungen erfuhr.
Das wiederentdeckte Hochzeitssilber des Prinzen Carl von Preußen
2008 gelang der Stiftung der sensationelle Rückkauf von 20 Teilen aus dem silbernen Hochzeitsservice des Prinzen Carl von Preußen (1801-1883) und seiner Gemahlin Prinzessin Marie von Sachsen-Weimar, das lange Zeit als verschollen galt.
Einige der bedeutendsten Silberstücke der Charlottenburger Silberkammer, deren Räume derzeit wegen Sanierungsarbeiten geschlossen sind, präsentiert die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg in zwei Ausstellungen, die sich auf das Schönste ergänzen - und auf einem Spaziergang miteinander verbinden lassen.
In den vergangenen Jahren konnten dafür weitere Platten, Salzgefäße und Leuchter erworben werden. Die Tafelaufsätze und Prunkterrinen waren als Schaustücke zur Aufstellung auf dem Buffet bestimmt. Erstmals präsentiert wird auch ein 1840 von Johann George Humbert geschaffenes silbervergoldetes Reiseservice aus dem Besitz der Königin Augusta. Die Ausstellung bietet damit einen eindrucksvollen Überblick über den Umfang an königlichem Tafel- und Repräsentationssilber des 19. Jahrhunderts.
Eine prachtvoll gedeckte Tafel im Sommerschloss des Prinzenpaares in Glienicke wird dieses herausragende Beispiel hohenzollernscher Tafelkultur erstmals der Öffentlichkeit vorstellen.
Die anlässlich der Hochzeit der Prinzen Carl und Wilhelm 1827 bzw. 1829 für
ihre Hofhaltungen beim Goldschmied Sr. Majestät Johann George Hossauer
(1794-1874) bestellten Service sollten nach englischen Formen ausgeführt,
also zurückhaltend in der Formgebung sein.
Man wollte zeigen, dass in Berlin eben so schöne Gold- und Silberarbeiten wie in London und Paris angefertigt werden konnten. Runde und ovale Platten und Schüsseln in jeweils verschiedenen Maßen, Salzgefäße und Gedeckleuchter ermöglichten vielfältige Tafelkompositionen.
Dazu kamen großartige Tafelaufsätze nach verschiedensten historischen Vorbildern, wie die in Glienicke den Mittelpunkt der Tafel bildende Warwick-Vase nach einem antiken Modell und zwei in Babelsberg gezeigte
Tafelaufsätze mit militärischen Trophäen (diese beiden letzteren sind Leihgaben der Stichting Huis Doorn, Niederlande) nach einem Vorbild der Augsburger Goldschmiedekunst des frühen 18. Jahrhunderts.Für einige der ausgestellten Prunkstücke lieferte Karl Friedrich Schinkel die Entwürfe. Exponate, wie der Pokal zum Fest der Weißen Rose 1829 an dem beide Prinzen teilnahmen und ein Rubinglaspokal in goldplattierter Kupfermontierung (beide in Babelsberg präsentiert), geben wichtige Beispiele für die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Schinkel und Hossauer. Beide Künstler verband das Interesse an der Wiederbelebung alter und der Entwicklung neuer Formen und Techniken, worauf die Babelsberger Ausstellung aufmerksam machen will. Hier ist auch Hossauers Konkurrent George Humbert (1802-1863) mit Exponaten, wie dem kleinen vergoldeten Reiseservice Augustas, vertreten.
Beide Ausstellungen sind als Einheit zu sehen. In der Gesamtheit erfährt Hossauers Leistung zur Neubelebung des Berliner Silbers in den 1820er Jahren bis 1859 eine Würdigung, werden Zusammenhänge der Tafelkultur und zum Zeremoniell deutlich.
Das Hochzeitssilber gab den Grundstock für die Silbersammlungen der Prinzen und eine ihrem Rang angemessene Tafelkultur. Der Rangaufstieg Wilhelms zum Thronfolger (wegen der kinderlos gebliebenen Ehe seines Bruders Friedrich Wilhelm IV.) bedingte eine repräsentative Hofhaltung. Der Tafelglanz Wilhelms als Prinz von Preußen (ab 1861 König, ab 1871 Deutscher Kaiser) bringt dies zum Ausdruck.
Während das Hochzeitsservice des kaiserlichen Paares Wilhelm und Augusta sich einer solchen Beliebtheit erfreute, dass es bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts durch Nachbestellungen der Hohenzollern immer wieder erweitert wurde, geriet das Hochzeitsservice des Prinzen Carl und der Prinzessin Marie fast völlig in Vergessenheit. Es galt als verschollen, historische Abbildungen desselben sind
bislang nicht bekannt. Aus schriftlichen Notizen Hossauers aber, der erst ein
Jahr zuvor zum Goldschmied Seiner Majestät des Königs ernannt worden war, geht hervor, dass er anlässlich der am 26. Mai 1827 geschlossenen Vermählung ein silbernes Tafelservice anfertigte, an dem er bis wenige Tage vor der Überreichung gearbeitet hatte. Es sollte sein erster großer künstlerischer Auftrag für den preußischen Hof werden. Das Service verblieb in der Linie des Prinzen Carl, erst sein Enkel Friedrich Leopold verkaufte es vermutlich an seinem Exilort Lugano, wo es erst im vergangenen Jahr in Privatbesitz wieder auftauchte. 20 Einzelteile zwölf Teller, Platten und Schüsseln in verschiedenen Größen gehören zu dem Konvolut, das die Stiftung 2008 zurück erwerben konnte. Damit ist nicht nur ein bedeutender Teil des originalen Kunstbesitzes des Prinzen Carl nach Glienicke heimgekehrt, sondern für die Forschung schließt sich nun auch eine Lücke im Euvre des Hofsilberschmiedes Hossauer, der die Berliner Gold- und Silberschmiedekunst über vierzig Jahre lang prägte.
Schloss Babelsberg: Berliner Silber für den Hof des Prinzen Wilhelm von Preußen
Schloss Glienicke: Das wiederentdeckte Hochzeitssilber des Prinzen Carl von Preußen
16. Mai 2009 bis 31. Oktober 2010
Quelle:SPSG


