4.8.07

Schmuck von René Lalique

René Lalique Anhänger –Schwan
René Lalique Anhänger –Schwan, ca. 1897-1899
Ziseliertes Gold, opakes Email mit
herausgearbeiteter Oberfläche, transluzides
Email


René Lalique - für Kenner des Jugenstilkünstlers ist Lissabon und das Museum Gulbenkian ein "must".
Dort wird deutlich welche Inspirationen René Lalique zu seinen Schmuck und Glaskunstwerken animierten, jene opaquen Gefässe von den Ausgrabungen, die sein Mäzen Calouste Gulbenkian, jener Zeit sammelte und ihn zum experimentieren beeinflussten.

Hat man nicht die Zeit für eine Reise, so gibt es jetzt die Gelegenheit dem Werk René Laliques (1860-1945) in einer Ausstellung in Berlin zu frönen.
Als „Erfinder des modernen Schmucks“, wie ihn der berühmte Glaskünstler Emile Gallé nannte, war René Lalique (1860-1945) zweifellos einer der begabtesten und einflussreichsten europäischen Schöpfer seiner Zeit. Als Kunsthandwerker, der die Traditionen veränderte und stark an der Revolution der Ästhetik gegen Ende des 19. Jahrhunderts mitwirkte, hat Lalique Werke geschaffen, die das einfache Kunsthandwerk übertrafen.
René Lalique begann 1880 als Schmuckzeichner für die Palais-Royal-Juweliere. Er lenkte schnell durch die Qualität und die Originalität seiner Zeichnungen die Aufmerksamkeit auf sich, so auch von Alphonse Fouquet, der zu dieser Zeit Schmuckstücke herstellte, die von der Renaissance beeinflusst waren: „Ich kannte keinen Schmuckzeichner, endlich gibt es einen“ (1884). 1885 machte sich René Lalique selbstständig. In den folgenden Jahren stellte er in seinem Werkstattbetrieb ausschließlich Schmuckstücke her, zunächst mit der Hilfe von nur wenigen Arbeitern unter der Leitung von Paul Briançon, der Lalique zwanzig Jahre lang assistieren wird.
Anonym nimmt er als Mitarbeiter von Vever und Boucheron an der Weltausstellung Paris von 1889 teil. Lalique arbeitet rastlos mit 30 Mitarbeiter und unermüdlich bis zur völligen Erschöpfung, zeichnet,formt, macht technische Untersuchungen und Versuche mit dem Ziel, zu neuen künstlerischen Ergebnissen zu gelangen und etwas Neues zu schaffen „was man noch nicht gesehen hat“.

Zunehmend begreift er seine Schmuckkreationen als Gesamtkonzeption. Die einzelnen Stadien des Entstehens seines Werkes bedeuten für ihn wichtige künstlerische Schritte:
Von der Zeichnung oder dem Formen nach der Natur, oder anhand von Fotografien, die er ab 1898 in Clairefontaine macht, bis zum vollendeten Werk, auf das er seinen Namen in Großbuchstaben eingravieren und seinen Stempel anbringen kann.
1890 begegnet er Augustine-Alice Ledru, mit der er seit 1892 eine Tochter, Suzanne, hat.
Alphonse Ledru, Vater und Sohn, waren als Bildhauer bei Rodin tätig und fertigten Modelle, von denen sich Lalique in seinem Schmuckschaffen beeinflussen ließ. Er negiert immer mehr die traditionellen Werkstoffe der hohen Juwelierkunst –Platin, Diamant, eingefasste Edelsteine sowie die herkömmliche Ornamentik von Knoten und Bändern, die aus dem 18.Jahrhundert übernommen wurde und immer wieder historische Stile zitierte.
René Lalique Vier Pfauen Brosche Lalique Museum, Hakone, Japan<br />Inv. 655
Stattdessen bevorzugte er ziseliertes Gold, Email, Opal und Mondstein, seine Lieblingssteine, sowie unerwartete Materialien, wie Horn, Elfenbein und schließlich Glas.

Von Anfang an war die Frau eines der Hauptthemen der Schmuckstücke von Lalique. Das
Frauenantlitz erscheint im Profil oder en face, immer auch etwas an die Züge von Alice Ledru erinnernd.
Im Mittelpunkt steht die Verwandlung, die Metamorphose. Frauen werden zu Mischwesen, sie verwandeln sich in einen Skarabäus, eine Libelle, ein Insekt,einen Pfau, oftmals auch in die „femme fleur“, geheimnisvolle Wesen, die aus der Pflanzenwelt entstammen. Das symbolistische Äquivalent, der Schwan, „die erlaubte Nacktheit“ (Bachelard) wird von ihm immer wieder dargestellt.
Als leidenschaftlicher Beobachter der Natur, von der er die „bescheidensten“ Aspekte zeichnet, darin den japanischen Künstlern folgend, studiert er heimische und exotische Blumen und Pflanzen im Jardin des Plantes. Er gibt Formen und Farben von Flora und Fauna mit der reichen Farbskala von Email und mit Hilfe des Glases wieder. Motive sind zum Beispiel Iris, Disteln,Maiglöckchen, Anemonen, Rosen, Orchideen, Misteln, aber auch Insekten, Reptilien, Vögel.

Die Lalique-Exponate für die Weltausstellung Paris von 1900 stellen eine Sensation dar. Die Gitterelemente des Ausstellungsstandes zeigen eine Formation von Fledermäusen, außerdem finden sich hinter einem Bronzegitter von Libellen-Frauen eine Fülle von Schmuckstücken aus farbigen Edelsteinen und schimmernden Perlen, aus blassem Elfenbein, aus blondem Horn, aus glänzendem Gold und feinen Emaillen. Laliques Schmuck findet eine große Anzahl von Bewunderern, die der russischen, österreichischen, französischen Aristokratie und der politischen und kulturellen Welt angehören, unter denen sich seine gute Freundin, Sarah Bernhardt, und vor allem sein treuester Freund und Sammler, Calouste Gulbenkian, befinden.
Im Salon von 1901 wählt Lalique für seine Ausstellungsvitrine einen ganz anderen Farbton, einen weißen Ton, der durch die Anwendung von Glas und durch die Wiedereinsetzung des Diamanten geprägt wird.
Glas, das er bereits seit 1890 bearbeitet, hat nun Vorrang und erhält seit 1902 zunehmende Wichtigkeit durch die Begegnung mit dem Parfumhersteller François Coty und durch den Bau seines eigenen herrschaftlichen Privathauses Cours de la Reine, fürdas er Glasbausteine für die beiden Eingangstüren herstellt und verwendet. Ein neues Kapitel beginnt, in dem er seine Forschungen zum Schmuck zur Anwendung für die Glaskunst bringt und nach und nach die Fundamente für die Verwendung des Glases in der Industriegeschichte des 20. Jahrhunderts setzt.
Lalique, ein Künstler, der die Traditionen bricht und an der Revolution der Ästhetik gegen Ende des 19. Jahrhunderts beteiligt ist, schafft Werke, die den Rahmen des Handwerks und des oftmals so genannten „unbedeutenden“ Kunsthandwerks sprengen, was diese Ausstellung überzeugend demonstriert. Sie vereint ca. 250Werke –Studien, Zeichnungen, Modelle, Schmuck, Glaskunst, Fotos, Gemälde, Skulpturen aus den Jahren 1890 bis 1912 von René Lalique und seinen Zeitgenossen. Es wird hier ermöglicht, die Persönlichkeit von René Lalique im Kontext seiner Zeit zu erfassen.

René Lalique. Jugendstil-Schmuck aus Paris 1890-1912
Ausstellung vom 8. September 2007 bis 13. Januar 2008 im Bröhan-Museum, Berlin
Lalique Museum, Hakone, Japan Inv. 717/655
Fotonachweis: Shoichi Kondo© VG Bildkunst, Bonn 2007

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